Ich hatte mir in den 90er Jahren eine Chevy Stratocaster gekauft, die ich immer noch habe und auch noch sehr zufrieden bin. Da diese Gitarren vom Fachblatt in den höchsten Tönen gelobt wurden und ich damals nicht die Mittel hatte um mir eine echte Strat zu kaufen, wurde es die Chevy, kostete 500,- Maak.
Chevy war eine Firma, die von einem Amerikaner und einem Koreaner gegründet wurden, die vorher schon im OEM Bereich tätig waren. Die Gitarren wurden aus Vollholz gefertigt, das aus den USA und Kanada stammte. Die Produktion war eine Mischung aus maschineller und handarbeitlicher Fertigung.
Da die Firma Chevrolet ihre Markenrechte geltend machte wurde die Firma erst in Chery und später in Cheri umbenannt.

Diese Gitarren sind wirklich gemessen an den damaligen Preisen, von einer unglaublichen Qualität, zumindest die mit Seriennnummer, später gab es eine Basic Serie, die keine Seriennummer mehr hatten, deren Qualität dann auch nicht mehr ganz so gut war aber immer noch nicht wirklich schlecht.
Soweit das, was ich so über die Firma rausbekommen konnte.

Ähh…wo war ich…achja, eigentlich war ich auf der Suche nach einem neuen Sattel für die Chevy Strat und wollte herausbekommen aus welchem Material der Sattel damals gefertigt wurde. Wie’s dann der Zufall so wollte stolperte ich bei meinen Recherchen über die Chevy/Cheri Telecaster Custom, eine wunderschöne Gitarre aber Optik ist ja bei Gitarren nicht alles.;-) Und wie ich ja schon bei dem Ikea Gitarrenprojekt schrieb, wollte ich ja schon immer mal eine Tele.:-) (Die Ikea Tele konnte mich da doch nicht so recht überzeugen…)
Ich suchte also weiter und fand heraus, daß auch dieses Modell eine tolle Verarbeitung, Bespielbarkeit und einen guten Sound bot. Tja, was soll man weiter schreiben, ich mußte das Ding haben.:-)
Also graste ich mal die üblichen Plattformen ab, bei ebay Kleinanzeigen wurde ich tatsächlich fündig, es wurde zufällig gerade eine Cheri Telecaster Custom angeboten, dooferweise 600km von mir entfernt und auf den Fotos konnte man den Zustand auch nur erahnen, egal, der Preis war gut, ein Koffer war auch noch dabei und sie war auch noch da und ich wurde schnell mit dem Verkäufer handelseinig.
Gestern kam sie dann bei mir an, das arme Ding hatte wahrscheinlich schon Jahre ungespielt in seinem Koffer gelegen, die Saiten und die restliche Gitarre hatten jedenfalls ordentlich „Patina“. Ein Poti war locker und der wohl nur eingepresste Topf in dem die Klinkenbuchse residiert, war lose, außerdem fehlte eine Inbusschraube an einem Reiter der Bridge. Ein paar „Rock’n Roll-Spuren“ hatte sie natürlich auch aber für eine 20 Jahre alte Gitarre noch durchaus im Rahmen und alles auch ohne großen Aufwand reparierbar.

Und so sah sie aus, die Saiten hatte ich bereits abgetüddelt:

Ausgepackt und die Saiten schon mal abgefummelt

Die Kopfplatte mit der Seriennummer:
KopfplatteNach der ersten Begutachtung wurde das Ding erstmal zerlegt, dabei fiel mir auf, daß wohl schon jemand den Bridge Pickup durch einen Seymour Duncan PU ersetzt hatte(möglicherweise auch den Halspickup, ist aber schwierig festzustellen), nicht schlecht, der oft genannte Kritikpunkt des nicht so prickelnden Bridge Pickups war also schon ausgemerzt, da freut man sich doch.:)
Also machte ich mich erstmal daran den Staub und Fingerschmand vom Hals zu entfernen, dann bearbeitete ich den Korpus mit Autopolitur, das sah doch schon ganz gut aus. Dann machte ich mich daran die Metallteile mit NevrDull zu bearbeiten, als erstes widmete ich mich der Bridge, die vor der Behandlung so aussah:

Bridge vorher

Nach der Bearbeitung sah sie dann so aus:
Bridge nachher

Dasselbe veranstaltete ich dann mit den übrigen Fittings
Fittings

Mechaniken

Nach einigen Stunden des Säuberns und Polierens war dann soweit alles fertig und aus dem Puzzle konnte wieder eine Gitarre entstehen.

Puzzle

Zusammengebaut war sie recht schnell, die fehlende Inbusschraube habe ich ersetzt, zwei Löcher in den Klinkenbuchsentopf gebohrt und verschraubt, kleben wollte ich das Ding nicht.
Eingestellt war sie auch recht schnell und so sieht sie jetzt aus:
Tele sauber

Noch ein paar Impressionen

Body

Maserung

Pin

neck_pu

Perlmuttinlays
NeckPU2

Halsplatte, Schraube zur Einstellung des Halswinkels
Neckplate

Bridge mit Einzelreitern
Bridge

Potiknöpfe und Schalter (der Schalterknopf ist aber wohl von einer Strat und wurde passend gemacht;-)
VolumeTone

Die Saiten werden mittels Rollen niedergedrückt
Rollen

Die Mechaniken
Mechaniken

Das alles ist sehr sauber verarbeitet, alle Teile passen exakt an ihren vorgesehenen Platz und deren Qualität ist wirklich Top.
Der Hals hat leider ein paar Macken auf der Rückseite, die man beim spielen fühlen kann, mich allerdings nicht sonderlich stören.

Ja wie klingt sie denn nun?
Kurz gesagt, geil.:-)
Sie bringt den typischen twänigigen Tele Sound sehr authentisch rüber, sehr schönes Attack und vollmundig im Abgang.;-)
Die Bespielbarkeit ist sehr gut, eine angenehme Saitenlage und trotzdem scheppert da nix, ich komme damit sehr gut klar.
Ich freue mich, daß ich dieses Teil ergattern konnte und es macht sehr viel Spaß das Ding zu bearbeiten.

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Ein Fall von Zufall
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2 Gedanken zu „Ein Fall von Zufall

  • 09.01.15 um 20:38
    Permalink

    Verdammt, das ist genau die Klampfe die ich suche. So viele gibt es hiervon ja nicht mehr. Glückspilz! Wunderschönes Ding!

    Antworten
    • 09.01.15 um 23:15
      Permalink

      Ja, wirklich “Ein Fall von Zufall” und bespielen lässt sie sich auch noch super.
      Dranbleiben, es taucht immer mal eine bei ebay oder ebay Kleinanzeigen auf, viel Glück!

      Antworten

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